Cristina Alís Raurich

Cristína Raurich, organetto

Dr. des. Cristina Alís Raurich zählt heute zu den international profiliertesten Spezialistinnen für mittelalterliche Tasteninstrumente. Als Organettistin, Clavicimbalum-Spielerin, Konzertpianistin, Ensembleleiterin und Musikwissenschaftlerin verbindet sie wissenschaftliche Forschung mit einer lebendigen und kreativen musikalischen Praxis.

Ihre musikalische Ausbildung begann mit dem Klavierstudium in Barcelona und Den Haag, das sie mit einem Master of Music abschloss. Anschließend spezialisierte sie sich an der Schola Cantorum Basiliensis auf mittelalterliche Tasteninstrumente und entwickelte eine künstlerische Laufbahn, die sie zu den wenigen Musikerinnen ihrer Generation zählt, die sich sowohl wissenschaftlich als auch interpretatorisch der mittelalterlichen Instrumentalmusik widmen.

Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Wiederentdeckung verlorener Klangwelten des Mittelalters. Besonders intensiv beschäftigt sie sich mit dem Organetto, dem tragbaren Orgelinstrument des 13. bis 15. Jahrhunderts, sowie mit frühen Tasteninstrumenten wie dem Clavicimbalum. Ihre Programme verbinden historische Quellenforschung, Improvisation und künstlerische Interpretation und eröffnen neue Perspektiven auf die musikalische Kultur des Mittelalters.

Im Jahr 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem italienischen Instrumentenbauer Walter Chinaglia die erste moderne Rekonstruktion eines Organettos des 13. Jahrhunderts auf Grundlage mittelalterlicher Bild- und Schriftquellen. Dieses Instrument prägt bis heute ihre Konzerttätigkeit und bildet den Ausgangspunkt zahlreicher Forschungs- und Aufführungsprojekte

Cristina Alís Raurich konzertiert regelmäßig als Solistin sowie in Zusammenarbeit mit renommierten Ensembles der Alten Musik. Mit ihrem Ensemble Merveill widmet sie sich darüber hinaus den komplexen Klangwelten der Ars Nova und Ars Subtilior des späten 14. Jahrhunderts. Ihre Programme reichen von den musikalischen Traditionen des mittelalterlichen Iberiens über die Musik der Troubadours und die liturgischen Repertoires des Mittelalters bis hin zu den virtuosen Instrumental- und Vokalwerken des italienischen Trecento und der franko-flämischen Ars Subtilior. Dabei gilt ihr besonderes Interesse der Verbindung von Stimme und Instrument, der improvisatorischen Praxis sowie den vielfältigen Beziehungen zwischen liturgischer und weltlicher Musik.

Parallel zu ihrer künstlerischen Tätigkeit verfolgt sie eine intensive wissenschaftliche Laufbahn. 2024 promovierte sie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit einer Dissertation über ein bislang unbekanntes Graduale-Tropar-Sequentiar des frühen 13. Jahrhunderts aus Südfrankreich. Ihre Forschungsarbeiten widmen sich insbesondere der mittelalterlichen Liturgie, der Notation, der Organologie und der Aufführungspraxis. Ihre Dissertation wurde zur Veröffentlichung beim internationalen Wissenschaftsverlag Brepols angenommen.

Als Pädagogin unterrichtet sie regelmäßig bei internationalen Meisterkursen und Hochschulprogrammen für mittelalterliche Musik. Darüber hinaus war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Instituto Complutense de Ciencias Musicales (ICCMU) in Madrid im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts REPERTORIUM zur Erschließung und Erforschung mittelalterlicher Musikquellen.

Seit 2021 ist sie Gründerin und Künstlerische Leiterin des Festivals Mirabilia Semana Medieval de la Catedral de Cuenca. Unter ihrer Leitung hat sich Mirabilia zu einem internationalen Festival entwickelt, das hochkarätige Konzertreihen mit Meisterkursen, wissenschaftlicher Forschung und innovativen Vermittlungsformaten verbindet und Künstlerinnen, Künstler, Forschende und Studierende aus ganz Europa zusammenführt.

Mit ihrer Arbeit schlägt Cristina Alís Raurich eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Entdeckung und künstlerischer Imagination. Ihre Interpretationen verbinden philologische Präzision mit klanglicher Freiheit und machen die Musik des Mittelalters für ein heutiges Publikum unmittelbar erfahrbar.