Samstag 24. August 2024 – Nicodemus Passion – Mönch von Salzburg

21 Uhr - Klosterkirche Lehnin - Lehniner Sommermusiken

Nicodemus Passion - Mönch von Salzburg

Mönch von Salzburg (14. Jh)
Die nacht wird schir des himels gast
“Des Munichz Passion”
Kolmarer Liederhandschrift, BSB cgm 4997 (G23)

Anonym
Stabat mater dolorosa
Münchner Marienklage, BSB cgm 716

Mönch von Salzburg
Eya der grossen liewe

Mondsee Wiener Liederhanderhandschrift, A-Wn cod 2856 (G24)

 

Das apokryphe Nikodemus-Evangelium ist ein Text, der sich im Mittelalter großer Beliebtheit erfreute. Die Vorstellung, dass mit Nikodemus ein „Zeitzeuge“ der Passion Christi diese Schrift verfasst habe, machte sie vermutlich besonders populär.

Von dem anonym gebliebenen Mönch von Salzburg (Salzburg, zweite Hälfte des 14. Jhs) ist in der Kolmarer Liederhandschrift (BSB cgm 4997) eine Vertonung der Passionsgeschichte erhalten, die sich in wesentlichen Merkmalen auf die Vorlage des Nikodemus-Apokryphs stützt. Diese einstimmige gesungene Andacht mit ihren neun Strophen und dem dreiteiligen melodischen Aufbau ist als solche einzigartig. Bemerkenswert daran sind darüber hinaus Tiefe und Qualität des früh-neuhochdeutschen Textes, die wir mehr als hundert Jahre vor der Bibelübersetzung Martin Luthers finden.

In der Bibel begegnet uns Nikodemus als Figur des Johannesevangeliums. Jesus und Nikodemus, der zu den Schriftgelehrten des jüdischen Rates gehört und somit ein hoch angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinde ist, treffen sich des Nachts, im Verborgenen und diskutieren über Auferstehung und Wiedergeburt (Johannes 3). Obwohl sich Nikodemus nicht öffentlich zu Jesus bekennt, interessiert er sich doch erkennbar für dessen Theologie und sympathisiert vielleicht sogar mit ihr. Nikodemus begegnet uns als Suchender, als Grenzgänger. Die Annahme, dass Nikodemus sein „Evangelium“ als Zeitzeuge verfasst haben könnte, ist heute widerlegt. Trotzdem begegnen uns Inhalte dieser Schrift in zahlreichen Kunstformen des Mittelalters.

Anne-Suse Enßle – Blockflöten, Doppelflöten, keltische Harfe, Dudelsack, Perkussion

Susanne Ansorg – Fidelinstrumente

Philipp Lamprecht – Gesang, Salterio, Tympanon, Portativ, romanische Bienenkorbglocken, Perkussion